Erschreckend einfach sind die Dinge: ich bin gezwungen, auf die Welt zu reagieren. Jeder muss in einen Beruf schlüpfen, um die Welt zu bewegen. Wer nicht weiß, was er machen soll, aber - aufgrund eines neurologischen Defekts - trotzdem Lebensenergie hat, spaltet sich in die Parallelwelt der Kunst ab. Wer behauptet, Künstler zu sein, ist auch Künstler. Die Parallelwelt ist für alle da. Ich sitze hier als Demien Bartók auf weichen Knien und schicke, demütig auf den Knien, meine Lebenszeichen ins grelle, unendliche World Wide Web, ins Metahirn der Menschheit, ohne Zentrum, ohne Gesetz, ein digitales Avatar einer ganzen Spezies. Jeder flimmert seine Lichter darin in der einzig verfügbaren Wahrheit: die verschiedenen Perspektiven dissoziieren das Subjekt der Menschheit, weniger akademisch ausgedrückt: die Menschheit hat keine zentrale Perspektive, ist selbst noch nicht zusich gekommen. Alle Menschen brauchen das selbe Ziel, um zusammenzuwachsen. Noch eine kleine Anstrengung, dann ist es geschafft.
Dass all meine Texte, die ich in den letzten Jahren geschrieben und hier öffentlich bearbeite (), erstmal nicht mehr als eine Materialsammlung für Lieder und Kurzgeschichten und politische Reden ist, hat mich relativ kaltgelassen, weil der Sommer sehr warm war. Meine Freunde sind so kuschelig und kommen immer näher, manchmal reißt einer aus, manchmal kommt einer wieder zurück. Wir werden uns nicht über diesen Blog idealisieren. Ich schreibe nur von mir, ich bin nicht der Sprecher der Landschaften, wir haben keinen Führer, wir sind keine Jungsband, wir haben keine Haare auf der Brust. Wir sind nicht alternativ, aber die Alternative ist eine von uns. Wir sind allerdings linksradikal.
Ich konsumiere die Schönheit meiner Freunde, das Gras ist schwer in diesem Herbst und ich habe mehr Geld als je zuvor. Jeden Tag hab ich Besuch, manchmal verbringen Freunde Wochen bei mir. Ich genieße es, mit meinen Freunden auf engem Raum was anzufangen: was gibt es besseres, als mit kuschligen Freunden im Baumhaus über dem wilden Indigofluss Musik zu basteln und mit Nähe und Distanzbedürfnissen so spielerisch umgehen wie mit Akkorden, Noise und Matchatee. Gemütlichkeit ist alles, was wir zwischen uns und die Welt stellen können.
Ich wünschte, Mogli würde noch etwas näherkommen, aber ich genieße auch die Distanz, die Angst, die Kälte zwischen uns. Ich schäme mich etwas, so glücklich mit meinen Freunden zu sein und verabscheue meine coole Ausstrahlung und will mich den ganzen Tag in ihnen verknoten und für sie Suppe kaufen und Kirschen. Wir wippen sanft im Wind, Gemütlichkeit ist die Mistgabel, die wir gähnend dem Faschismus entgegenhalten, der in den 2020er Jahren über Europa rollen wird. Die Landschaften werden wieder in den echten deutschen Farben erblühen. Lasst den Wolf aus dem Käfig, die Konfettikanone ist startklar, der Terror kann beginnen!
Es ist erschreckend einfach: die Depressiven, Schlaflosen, Verbitterten, die Zyniker und Fotzenknechte und Paranoiker wählen die Faschisten, aus Geilheit, aus erogener Dummheit, aus bestialischem Irrsinn. Sie spühlen alles, was sie denken und fühlen, ins gleißend helle, betäubend geräumige Internet. Draußen geht die Natur völlig kaputt und amphetaminsüchtige Walrößer saugen die allerletzten Trilliarden Doller aus dem System, bald wird alles in furchtbaren Flammen aufgehen und wir werden unseren Untergangsschlager für euch spilene, ohne Gage, ohne Soundcheck, aber mit Haltung. Die Blühenden Landschaften sind immer für euch da.
Es war ein spannendes Jahr. Schöne Auftritte, kleine Skandale und viel zu wenig Umarmungen. Jeder hat seine passende Sucht gefunden und wartet auf den entscheidenden Einfall. Zumindest ist an einer veganen Lebensweise nichts auszusetzen, mein Ekel vor Fleisch hängt mit meinem Ekel vor meinen Eltern zusammen. Daddy ist letztens gestorben, Oma sickte mir die Sterbeurkunde. Ich fühle mich sauber und alle Katzen sind schön.
Jeder Tag verpflichtet uns, Stellung zu beziehen. Ich kann meinen drei liebsten Freunden nichtmal "Ich lieb dich so" sagen, wie sollte ich es da mit dem Konsumkapitalismus und dem Klimawandel und den Bürgerkriegen handhaben? Geschehen lassen? Darüber berichten? Geld spenden? Eine Partei wählen? So leben, wie alle leben müssten, um die Maschine wieder runter- und die Ökosysteme wieder hochzufahren? Wir müssen uns Sisyphos als einen erloschenen Menschen vorstellen. Wer noch Leben in sich trägt, will Ergebnisse sehen, und sich nicht in selbstgefälligen Routinen ablenken lassen.
Gesucht ist die geeignete Tat, um die Maschine anzuhalten und das Ökosystem der Erde wieder herzustellen. Aus meiner Sicht braucht es in den Parlamenten der Welt eine linke, progressive, aufklärerische Partei. Genau, weil das mit den Menschen nicht zu machen ist, wird alles den Bach runtergehen. Das Internet erscheint nur denjenigen eine brauchbare Notbremse, die zu viel Kaffee getrunken haben. Ich zähle manchmal dazu,
Ich genieße auch lange, kalte Tage allein. Ich muss ab und an verschwinden und niemand sein. Einsamkeit dissoziiert wie Hustenstiller, Liebe und Cannabis.
Es ist schön. mich als Demien in den Landschaften aufzulösen.